In Lübeck begegnen uns bei Tunnelprojekten fast immer die weichen, setzungsempfindlichen Beckenablagerungen entlang der Trave – Klei, Torf und Mudden, die schon manchen Zeitplan durcheinandergebracht haben. Die Altstadtinsel und die angrenzenden Niederungsbereiche stehen auf einer bis zu 20 Meter mächtigen Schicht aus holozänen Weichsedimenten, die unterhalb des Grundwasserspiegels liegen und beim Auffahren ohne vorausschauende Baugrundanalyse sofort zu Stabilitätsproblemen führen. Genau hier setzt unsere geotechnische Analyse an: Wir quantifizieren die undränierten Scherparameter und die Konsolidationsbeiwerte, bevor der erste Bagger anrollt. Wer im Hafengebiet oder entlang der B75 eine Unterführung plant, muss die lokale Geologie lesen können – und das tun wir mit einer Kombination aus Drucksondierungen, begleitenden CPT-Versuchen und selektiven Laborversuchen, die das Baugrundrisiko transparent machen.
Die Kombination aus CPT-Sondierung und Triaxialversuch unter lokalen Spannungsbedingungen reduziert das Vortriebsrisiko in weichen Sedimenten messbar.
Arbeitsumfang in Lubeck

Typische technische Herausforderungen in Lubeck
Zwischen dem Lübecker Hafenkai und den höher gelegenen Bereichen um St. Jürgen gibt es einen markanten Unterschied im Baugrund: Während die Hafenbecken in organischen Weichschichten mit Konsistenzzahlen um 0.3 liegen und bei Auflast fast spontan kriechen, finden wir auf dem Hügelrücken bereits ab 3 Metern Tiefe den tragfähigen Geschiebemergel der Weichsel-Kaltzeit. Ein Tunnel, der beide Zonen durchfährt, muss diesen Übergang bautechnisch beherrschen – sonst drohen Differenzsetzungen, die die Tübbingröhre auf Länge belasten. Unsere Analyse modelliert diesen Schichtwechsel explizit, indem wir für jeden Homogenbereich die Steifemoduli aus dem Ödometerversuch in eine Finite-Elemente-Simulation überführen. Bei der Streckenführung unter der Trave selbst kommt erschwerend hinzu, dass die Flusssohle nur eine geringe Überdeckung bietet – hier wird der Nachweis gegen hydraulischen Grundbruch und Auftrieb nach DIN 1054 zum bestimmenden Kriterium.
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Unsere Leistungen
Unser Leistungspaket deckt die gesamte geotechnische Kette ab – von der ersten Erkundungsbohrung bis zur numerischen Simulation des Vortriebs. Jedes Modul ist auf die spezifischen Herausforderungen des Tunnelbaus in weichen Böden zugeschnitten und kann je nach Projektphase einzeln beauftragt werden.
Felduntersuchung mit Drucksondierung
Einsatz der CPT-Spitze mit Porenwasserdruckaufnehmer zur lückenlosen Schichtaufnahme in den weichen Trave-Sedimenten. Inklusive Reibungsquotienten-Auswertung und Korrelation mit dem undränierten Scherfestigkeitsprofil.
Laborversuche an Weichböden
Triaxialversuche CU mit Porenwasserdruckmessung, Ödometerversuche zur Bestimmung des Steifemoduls Es und Flügelscherversuche am ungestörten Probematerial, akkreditiert nach DIN EN ISO 17892.
Numerische Vortriebssimulation
FEM-Modellierung des Tunnelvortriebs in PLAXIS 3D mit Kalibrierung an den lokalen Laborergebnissen, inklusive Setzungsprognose für die umliegende Bebauung und Nachweis der Ortsbruststabilität.
Baugrundrisiko-Bewertung
Quantitative Risikoanalyse für den Tunnelbau, mit Fokus auf hydraulischen Grundbruch, Auftrieb und das Verhalten organischer Schichten unter Langzeitbelastung, inklusive baubegleitender Messtoleranzen.
Häufige Fragen
Welche Parameter bestimmen die Standsicherheit eines Tunnels im Lübecker Weichboden?
Die entscheidenden Größen sind die undränierte Scherfestigkeit cu, der Steifemodul Es und der Konsolidierungsbeiwert cv. In den holozänen Sedimenten der Trave-Niederung liegen die cu-Werte oft unter 15 kPa, während der Steifemodul in den organischen Lagen auf unter 2 MPa fallen kann. Wir ermitteln diese Werte direkt aus Triaxial- und Ödometerversuchen an ungestörten Proben, um realistische Eingabeparameter für die Vortriebssimulation zu erhalten.
Welche Kosten kommen bei einer geotechnischen Analyse für einen Tunnel auf mich zu?
Je nach Umfang der Feldversuche und Anzahl der Laborproben bewegt sich das Budget in Lübeck typischerweise zwischen 3.490 und 14.260 Euro. Eine schlanke Erkundung mit CPT-Sondierung und Basis-Laborprogramm liegt im unteren Bereich, während eine vollständige Kampagne mit Triaxialversuchen, FEM-Simulation und Piezometer-Ausbau den oberen Rahmen ausschöpft.
Wie unterscheidet sich die Analyse weicher Böden von der im Fels oder steifen Ton?
Bei weichen Böden dominiert das undränierte Verhalten – das Porenwasser kann während des Vortriebs kaum abfließen, sodass die effektive Spannung gering bleibt und die Scherfestigkeit fast ausschließlich aus der Kohäsion stammt. Deshalb setzen wir hier auf CPT-Messungen mit Porenwasserdruckaufnehmer und Triaxialversuche nach der CU-Methode, während im Fels oder steifen Ton die Klassifikation nach RMR oder die einaxiale Druckfestigkeit im Vordergrund stehen.