Die Kategorie In-Situ umfasst sämtliche Feld- und Direktversuche, die direkt auf der Baustelle – also in situ – durchgeführt werden, um Boden- und Felskenngrößen unter natürlichen Einlagerungsbedingungen zu ermitteln. In Lübeck, einer Stadt mit einer reichen historischen Bausubstanz und zugleich dynamischen Neubauprojekten, ist diese Form der Baugrunderkundung unerlässlich. Vom Speicherstadt-Areal über die Wohnquartiere in St. Lorenz bis hin zu Infrastrukturmaßnahmen an der Trave: Ohne belastbare Kennwerte aus direkten Feldversuchen lassen sich weder die Standsicherheit von Gründungen noch die Gebrauchstauglichkeit von Bauwerken zuverlässig beurteilen.
Die quartärgeologische Situation im Lübecker Raum ist geprägt durch weichselzeitliche Schmelzwassersande, Geschiebemergel und Beckentone, die in Wechsellagerung mit holozänen Auffüllungen und organischen Weichschichten auftreten. Besonders die mächtigen, oft gering tragfähigen Klei- und Torflinsen im Bereich der ehemaligen Wakenitz-Niederung stellen Planer vor erhebliche Herausforderungen. In-situ-Versuche wie die Felddichtebestimmung (Sandkegelverfahren) liefern hier unverzichtbare Informationen zur Lagerungsdichte und zum Verdichtungsgrad von künstlichen Auffüllungen oder Tragschichten. Ergänzend kommen Rammsondierungen und Drucksondierungen zum Einsatz, um die Tragfähigkeit und Konsistenz der anstehenden Schichten tiefenorientiert zu erfassen.

Die Durchführung und Auswertung sämtlicher In-situ-Versuche richtet sich in Deutschland nach den einschlägigen Regelwerken des DIN-Normenausschusses Bauwesen (NABau) sowie den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Geotechnik (DGGT). Maßgeblich sind insbesondere die DIN EN ISO 22476-Reihe für Sondierungen, die DIN 4094 für Rammsondierungen und die DIN 18125 für die Bestimmung der Dichte des Bodens. Ergänzend gelten die Vorgaben der Eurocode-7-Normenfamilie sowie die nationalen Anwendungsdokumente, etwa der Handbuchband EC 7-2 zur geotechnischen Erkundung. In Lübeck fordern die städtischen Baugrundgutachten regelmäßig eine Kombination aus direkten Aufschlüssen und mindestens zwei unabhängigen In-situ-Verfahren, um die nach DIN 4020 geforderte Baugrundbeurteilung statistisch abzusichern.
Typische Projekte, die in Lübeck eine umfassende In-situ-Kampagne erfordern, reichen vom klassischen Hochbau über den Verkehrswegebau bis hin zu anspruchsvollen Wasserbauwerken entlang der Trave und des Elbe-Lübeck-Kanals. Besonders bei der Nachverdichtung innerstädtischer Quartiere, der Sanierung von Altlastenstandorten auf ehemaligen Industriebrachen oder der Gründung von Windenergieanlagen im Umland ist die direkte Bestimmung von Lagerungsdichte, Steifemoduln und Scherfestigkeit im Feld unverzichtbar. Auch der Deichbau und die Ertüchtigung von Hochwasserschutzanlagen, etwa im Bereich Travemünde, greifen auf In-situ-Methoden zurück, um die Qualität der eingebauten bindigen und nichtbindigen Böden kontinuierlich zu überprüfen.
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Häufige Fragen
Was versteht man unter In-situ-Versuchen in der Geotechnik?
In-situ-Versuche sind Felduntersuchungen, die direkt am gewachsenen oder geschütteten Boden durchgeführt werden, ohne ihn aus seinem natürlichen Spannungs- und Lagerungszustand zu entnehmen. Sie dienen der Ermittlung von Kennwerten wie Lagerungsdichte, Tragfähigkeit oder Verformungsverhalten unter realen Bedingungen. Im Gegensatz zu Laborversuchen vermeiden sie Störungen durch Transport und Probenentnahme und liefern somit oft repräsentativere Ergebnisse für die Baugrundbeurteilung.
Welche Normen sind für In-situ-Versuche in Deutschland verbindlich?
In Deutschland sind vor allem die DIN EN ISO 22476-Reihe für Drucksondierungen, die DIN 4094 für Rammsondierungen sowie die DIN 18125 zur Dichtebestimmung maßgebend. Ergänzend gelten der Eurocode 7 (DIN EN 1997) mit seinem nationalen Anhang und die Empfehlungen des Arbeitskreises 'Baugrunddynamik' der DGGT. Für die Planung und Auswertung ist zudem die DIN 4020 zur geotechnischen Erkundung und Beurteilung des Baugrunds grundlegend.
Warum sind In-situ-Versuche in Lübeck besonders wichtig?
Lübecks Untergrund ist durch die letzte Eiszeit stark heterogen geprägt: Geschiebemergel wechselt mit Sanden und organischen Weichschichten wie Klei und Torf. Gerade in den Niederungsbereichen von Trave und Wakenitz sind die Böden oft gering tragfähig und setzungsempfindlich. In-situ-Versuche ermöglichen hier eine schichtgenaue Erkundung der tatsächlichen Steifigkeits- und Festigkeitsverhältnisse, die für die Gründung historischer wie neuer Bauwerke essenziell ist.
Welche Bauprojekte erfordern typischerweise In-situ-Untersuchungen?
Praktisch jedes Bauprojekt, bei dem der Boden als Baugrund oder Baustoff dient, erfordert In-situ-Untersuchungen. Besonders relevant sind sie bei Hoch- und Tiefbauten, im Straßen- und Kanalbau, bei der Errichtung von Windkraftanlagen, der Deichertüchtigung sowie der Altlastensanierung. Auch zur Qualitätssicherung von Bodenverbesserungen oder zur Überprüfung der Verdichtung von Tragschichten im Verkehrswegebau sind Feldversuche unverzichtbar.