Die mobile Bohrsonde fährt an den Bohlentiefkeller im Gründungsviertel heran, während der Techniker das SPT-Gestänge für die erste Sondierung in der Beckenlage Lübecks vorbereitet. Der Schlagkörper wiegt 63,5 kg und fällt aus 76 cm Höhe – dieselbe mechanische Routine, die Seed und Idriss zur Grundlage ihrer Verflüssigungsdiagramme machten. In einer Stadt, die auf holozänen Sanden der Trave-Niederung und Geschiebemergel-Hochflächen steht, entscheidet diese Prozedur über die Standsicherheit. Das Labor wertet die Schlagzahlen nicht isoliert aus, sondern korreliert sie mit der Korngrößenverteilung aus der Korngrößenanalyse, weil Feinanteile unter 15 % das Verflüssigungsrisiko sprunghaft erhöhen. Für tiefere Horizonte unterhalb von 10 m ergänzt der CPT-Versuch die Punktmessung durch ein kontinuierliches Spitzendruckprofil, das dünne, verflüssigungsfähige Schichten aufdeckt, die im Rammdiagramm durch die Mantelreibung maskiert bleiben.
Nicht die Erdbebenstärke allein entscheidet über Verflüssigung – es ist das Zusammenspiel von lockerer Lagerung, Grundwasserstand und Korngröße, das einen Sand in einen zähen Brei verwandelt.
Arbeitsumfang in Lubeck

Typische technische Herausforderungen in Lubeck
Der Kontrast zwischen der Lübecker Altstadtinsel und den südlichen Stadtteilen wie St. Jürgen könnte geotechnisch kaum größer sein. Die Altstadt steht auf einem kompakten Geschiebemergelrücken, der schon bei der Gründung der Backsteinkirchen als tragfähig galt – hier liegt das Verflüssigungsrisiko nahe null. St. Jürgen hingegen erstreckt sich in die flache Sanderebene der Trave, wo bis in 15 m Tiefe locker gelagerte Mittel- und Feinsande mit eingeschalteten Schlufflinsen vorherrschen. Bei einem Bemessungserdbeben – die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft weist für den Raum Lübeck eine Wiederkehrperiode von 475 Jahren mit Spitzenbeschleunigungen um 0,4 m/s² aus – würden diese Sande unter Auftrieb verflüssigen und Bauwerke ungleichmäßig setzen. Besonders tückisch sind die Altarme und verfüllten Gräben der ehemaligen Stadtbefestigung, die anthropogen mit sandigem Material verfüllt wurden und im urbanen Wärmefeld der Stadt eine höhere Porenwasserchemie aufweisen, was die scheinbare Kohäsion weiter reduziert. Die Analyse adressiert diese Mikrozonierung durch mehrere Sondierpunkte pro Baufeld, idealerweise im Raster von 20 × 20 m.
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Unsere Leistungen
Von der ersten Sondierung bis zum bodenmechanischen Bericht begleiten wir das Projekt mit drei Leistungsmodulen, die aufeinander aufbauen, aber auch einzeln beauftragt werden können.
Felduntersuchung und Probenahme
Durchführung von SPT-Bohrungen nach DIN EN ISO 22476-3 und CPT-Sondierungen mit piezocone in Rasterabständen, die an die lokale Geologie der Lübecker Beckenfüllung angepasst sind. Entnahme gestörter und ungestörter Proben für die Laboranalyse.
Laboruntersuchung und Klassifikation
Bestimmung der Korngrößenverteilung durch Siebung und Sedimentation, Atterberg-Grenzen zur Feinanteilcharakterisierung und Wassergehaltsbestimmung. Klassifikation nach DIN 18196 und Prüfung der Verflüssigungsanfälligkeit nach Tsuchida-Kriterien.
Numerische Verflüssigungsanalyse
Berechnung des Sicherheitsfaktors FSL pro Schicht und Tiefe mit Spreadsheet-Tools nach Boulanger-Idriss (2014). Ermittlung des Liquefaction Potential Index (LPI) für das gesamte Baufeld und Ableitung von Maßnahmenempfehlungen (Rütteldruckverdichtung, Bodenaustausch).
Häufige Fragen
Was kostet eine Bodenverflüssigungsanalyse in Lübeck?
Eine vollständige Analyse mit zwei SPT-Bohrungen, Laborversuchen und numerischer Auswertung bewegt sich in Lübeck im Bereich von €2.490 bis €3.500. Der Preis hängt von der Tiefe der Sondierungen, der Anzahl der Proben und ob zusätzliche CPT-Sondierungen nötig sind ab. Bei kleinen Grundstücken mit homogenem Boden kann es günstiger werden.
Ab welcher Gebäudeklasse ist eine Verflüssigungsanalyse Pflicht?
Nach DIN EN 1998-5 ist der Nachweis für Bauwerke der Bedeutungskategorien III (z. B. Schulen, Versammlungsstätten) und IV (Krankenhäuser, Feuerwehr) verpflichtend, wenn der Baugrund in die Klassen C, D oder S2 fällt. In Lübeck betrifft das vor allem die sandigen Niederungsbereiche entlang der Trave und des Elbe-Lübeck-Kanals. Für Wohngebäude der Kategorie II genügt oft ein orientierender Nachweis, es sei denn, die Baugrundvorerkundung zeigt lockere Sande.
Wie viele Sondierungen braucht man für eine belastbare Aussage?
Mindestens zwei SPT-Bohrungen pro 500 m² Baufeld, bei unregelmäßiger Geologie wie in der Trave-Niederung empfehlen wir ein Raster von 20 × 20 m. Die Ergebnisse werden mit einem CPT-Versuch abgeglichen, um Schichtgrenzen präziser zu erfassen. Bei großen Projekten kombinieren wir SPT und CPT, um Kosten zu optimieren, ohne die Aussagesicherheit zu gefährden.
Welche Bodenarten in Lübeck sind besonders verflüssigungsgefährdet?
Die holozänen Fein- und Mittelsande der Trave-Aue mit Feinanteilen unter 15 % und lockerer Lagerung (Lagerungsdichte D < 50 %) sind das Hauptrisiko. Auch die anthropogenen Auffüllungen im Hafenbereich und entlang der ehemaligen Wallanlagen zeigen ungünstige Korngrößenverteilungen. Der Geschiebemergel der Altstadtinsel ist dagegen unkritisch.
Was passiert, wenn der Boden als verflüssigungsgefährdet eingestuft wird?
Dann berechnen wir zuerst die zu erwartenden Setzungen nach Tokimatsu-Seed. Bei geringen Setzungen reicht oft eine Überdimensionierung der Gründung. Bei hohem Risiko planen wir Maßnahmen wie Rütteldruckverdichtung, Rüttelstopfsäulen oder einen Bodenaustausch bis unter die kritische Tiefe. Selten wird auch eine Tiefgründung mit Pfählen nötig, die den verflüssigungsfähigen Horizont durchörtert.